Die Energiepreise schnellen dieser Tage in die Höhe. Immer mehr Geld müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher für die Tankfüllung, das Heizen und den Strom berappen. Woran liegt das und wie kann kurz- und langfristig darauf reagiert werden? Darüber sprach Reporterin Sophie Schober im Interview mit Umweltberaterin Kerstin Ramsauer von der Verbraucherzentrale in Dortmund.

Lokalpresse24: Frau Ramsauer, viele Verbraucherinnen und Verbraucher blicken besorgt auf Ihre Stromrechnung. Woran liegt es, dass Energie gerade so teuer ist?

Kerstin Ramsauer: Das liegt am Kurs an der Börse. Der Handel mit Öl ist gerade sehr teuer. Das wirkt sich auf die Verbraucherinnen und Verbraucher aus. Corona spielt bei den Preisen sicher auch eine Rolle, aber zu Teilen sicher auch, dass die Rohstoffe in der Vergangenheit falsch eingekauft wurden. Darauf reagieren die Stromanbieter nun mit Preiserhöhungen und auch mit der Einstellung der Lieferung.

Lokalpresse24: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren erschrocken auf die Einstellung ihrer Stromlieferung. Was raten Sie den Betroffenen?

Kerstin Ramsauer: Erst einmal müssen sie keine Angst haben, keinen Strom mehr zu haben, versorgt werden sie immer. Außerdem ist die Einstellung der Stromlieferung nicht rechtens. Es sollte unbedingt Widerspruch eingelegt werden. Denn Vertrag ist Vertrag, den muss auch der Stromanbieter erfüllen. In solchen Fällen rutschen die Verbraucherinnen und Verbraucher in die Ersatzversorgung der örtlichen Stadtwerke, dort ist der Strom noch teurer. Die Mehrkosten der Ersatzversorgung können sie als Schadensersatz verlangen. Und das sollten sie auch in jedem Fall tun.

Lokalpresse24: Wie viele Menschen sind eingestellte Stromlieferungen aktuell ein Thema?

Kerstin Ramsauer: In unsere Beratungsstelle in Dortmund kommen gerade sehr, sehr viele Menschen mit diesem Anliegen. Für sie haben wir bereits einen Musterbrief erstellt, mit dem sie einfach und schnell die Forderungen an die Stromanbieter stellen können. Außerdem sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher schnell raus aus der Ersatzversorgung und sich einen neuen Stromvertrag suchen. Denn bei der Ersatzversorgung ist eine Kündigung jederzeit möglich.

Lokalpresse24: Was ist bei der Suche nach einem neuen Stromtarif besonders zu beachten?

Kerstin Ramsauer: Die Verträge sollten eine recht kurze Laufzeit haben, also maximal 12 Monate. Denn wir sind derzeit in einer Extremsituation und wissen nicht, wie sich der Strompreis im kommenden Jahr entwickeln wird, ob er noch teurer wird oder ob wir mit einer Preisreduzierung rechnen können. Gut sind auch kurze Kündigungsfristen von vier bis sechs Wochen. Außerdem sollte man Verträge meiden, die sich nach der vereinbarten Laufzeit um ein Jahr verlängern, besser sind Verlängerungen um jeweils einen Monat.

Lokalpresse24: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher vertrauen bei der Suche auf Vergleichsportale wie Cheack24 oder Verivox. Sind sie damit auf der sicheren Seite?

Kerstin Ramsauer: Für einen ersten Überblick sind diese Portale nicht schlecht, auch wir als Verbraucherzentrale arbeiten mit ihnen. Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass diese aufgrund der dynamischen Entwicklung derzeit nicht aktuell sind. Außerdem sollten sich die Menschen nicht auf Boni und Neukundenprämien stürzen, sie sollten bei der Suche außen vor gelassen werden. Zudem sollten sich die Verbraucherinnen und Verbraucher auch immer bei den Stromanbietern direkt informieren. Denn nicht jedes Schnäppchen ist auch eins. Die Preise, die die Vergleichsportale aufrufen, stimmen oft nicht mit den Tarifen der Anbieter überein.

Lokalpresse24: Neben dem Anbieterwechsel können die Verbraucherinnen und Verbraucher Energie in ihren Wohnungen sparen. Mit welchen Tricks gelingt das am besten?

Kerstin Ramsauer: Beim Heizen ist Bewusstsein gefragt. Für jedes Zimmer ist eine andere Temperatur sinnvoll. Im Wohnzimmer reichen 20 Grad, also kann das Thermostat auf drei eingestellt werden, im Schlafzimmer reichen beispielsweise 17-18 Grad. Einfach die Heizung aufdrehen ist also oft Energieverschwendung. Außerdem sollten die Heizkörper nicht zugestellt werden, damit sich die Wärme gut im Raum verbreiten kann. Wenn man tagsüber nicht daheim ist, kann die Heizung auch runtergedreht werden. Ganz auf die Heizung zu verzichten ist aber nicht ratsam, denn das fördert die Schimmelbildung.

Lokapresse24: Und wie lässt sich Strom sparen?

Kerstin Ramsauer: Da gelten noch immer die Klassiker: Geräte nicht auf Standby halten, sondern lieber den Stecker ziehen. Außerdem sollte bei der Anschaffung neuer Geräte auf die Energieeffizienz geachtet werden, die Klassen A bis C sind in Ordnung. Bei großen Geräten wie Fernseher sollte man auch prüfen, wie viel Strom sie in einem Jahr verbrauchen. Das ist dann nicht immer energiesparend. Dabei sollte man auch hinterfragen, ob es der große Fernseher sein muss, oder ob es auch ein kleineres Modell sein kann. Bei Kühlschränken ist es ähnlich. Nicht immer muss es eine Gefrier-Kombination sein. Aus energetischer Sicht kann es manchmal besser sein, lieber häufiger einkaufen zu gehen, als eine große Gefriertruhe zu haben. Alte Glühbirnen sollten durch LED-Lampen ausgetauscht werden. Außerdem sollte man auch beim Duschen achtsam sein. Denn wird das Wasser durch Strom erwärmt, dann wird bei langem Duschen viel Energie verbraucht. Vier bis sechs Minuten unter der Dusche reichen völlig aus und das Wasser sollte nur laufen, wenn es auch gebraucht wird.

Lokalpresse24: Diese Tipps richten sich vor allem an Mieterinnen und Mieter, was aber können Hausbesitzer darüber hinaus noch tun?

Kerstin Ramsauer: Enorm wichtig beim Energiesparen ist eine gute Dämmung des Hauses, daher sollten die Gegebenheiten geprüft und gegebenenfalls nachgearbeitet werden. In einigen Fällen ist es auch ratsam, alte Fenster auszutauschen. Bei der Heizung sollte geprüft werden, ob die Pumpe ausgetauscht werden kann. Dadurch können bis zu 90 Prozent der Energie eingespart werden. Ob ältere Heizungen immer modernisiert werden müssen, hängt vom Einzelfall ab. Prüfen sollte man das aber in jedem Fall.

Lokalpresse24: Also sollten die Mieterinnen und Mieter bei der Wahl einer Wohnung auch die Energiekosten im Blick haben?

Kerstin Ramsauer: Ja, wenn sie die Wahl haben, dann in jedem Fall. Denn oft wird in günstigen Wohnungen mehr Energie benötigt, weil beispielsweise die Dämmung veraltet ist. Daher sollte man einen Energieausweis der Wohnung verlangen. Manchmal ist es ratsam, sich für eine teurere Wohnung zu entscheiden, wenn dort die Energiekosten geringer ausfallen.

Lokalpresse24: Nun stehen einige Verbraucherinnen und Verbraucher vor einer Energierechnung, die sie in einigen Fällen nicht zahlen können. Müssen sie trotz der extremen Situation damit rechnen, dass ihnen der Strom abgestellt wird?

Kerstin Ramsauer: Ja, denn auch jetzt gilt, dass der Strom bezahlt werden muss. Sollte es soweit kommen, dass der Anbieter droht, die Strombelieferung auszusetzen, sollten die Betroffenen zu uns kommen. Aber bitte nicht erst, wenn der Strom schon weg ist. In einigen Fällen kann man mit den Anbietern verhandeln und individuelle Einigungen erzielen. Häufig springt in so einer Situation auch das Jobcenter ein und übernimmt die Kosten. Aber auch das kommt auf den Einzelfall an.

Lokalpresse24: Vielen Dank für das Gespräch.