Das war es also! Die Tunnellösung für die Bundesstraße 1 zwischen B 236 und Märkische Straße ist gestorben, erlegt per Blattschuss von der Landesverkehrsministerin Ina Brandes.

Dass es so gekommen ist, verwundert nicht wirklich. Dafür hat das Gezerre um den Tunnel unter dem Westfalendamm schon viel zu lange gedauert.

Dabei hätte es so schön werden können: Der Durchgangsverkehr verläuft, wie beispielsweise in Essen, in einem Tunnel. Oberirdisch sind nur noch jene unterwegs, die tatsächlich ins Dortmunder Zentrum oder dort heraus wollen. War es Geldmangel, der den 350 Millionen-Tunnelbau nun ins Reich der Träume verwiesen hat? Da bin ich nicht sicher!

Der Ausbau der Bundesstraße 1 zur Autobahn schreitet seit Jahren voran. Das Teilstück vom Kreuz Dortmund-West bis zur Lindemannstraße ist fertig gestellt. Der Abschnitt vom Hauptfriedhof bis zum Kreuz Dortmund-Unna inklusive dessen Umbau läuft aktuell. Doch das alles bleibt Stückwerk, so lange der Westfalendamm und der Rheinlanddamm dazwischen einen Flaschenhals bilden.

Die Frage ist nun allerdings – und sie wurde bisher weder aus dem Landesverkehrsministerium noch von anderer Seite beantwortet: Wie geht es weiter? Wie sieht eine alternative Lösung aus für Dortmunds ehemalige Flaniermeile, die heute noch einen Reitweg unter Alleebäumen aufweist? Ein Pferd wurde dort jedenfalls schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet.

Wie hätte es auch dorthin gelangen sollen bei einem Verkehrsaufkommen von rund 140.000 Autos, die täglich über die B1 fahren – mögen es zu aktuellen Pandemiezeiten auch ein paar weniger sein. Bereits vor 40 Jahren war die Bundesstraße 1 stadteinwärts im Berufsverkehr verstopft. Daran hat auch das Verbot des Lkw-Durchgangsverkehrs (das ohnehin kaum kontrolliert und entsprechend wenig beachtet wird) nichts geändert.

Die Dortmunder Wirtschaft ist enttäuscht ob der Entscheidung, die Anwohner des Westfalendamms und der anliegenden Gartenstadt-Viertel ebenso. Sie haben bereits vor langem durchgesetzt, dass aus Lärmschutzgründen auf der sechsspurigen Hauptverkehrsader nur noch Tempo 50 gefahren werden darf – und werden nun umso mehr auf eine Absenkung auf 30 km/h dringen. Verbittert werden jene Kleingärtner der ehemaligen KGA Kipsburg die Entscheidung zur Kenntnis nehmen, die man bereits vor mehr als zehn Jahren von ihren Parzellen an der Semerteichstraße vertrieben hat mit der Begründung, sie müssten leider einer künftigen Tunnelzufahrt weichen. Ähnliches träfe vermutlich auch auf die seinerzeit im Zuge von Vorbereitungsarbeiten für den Tunnel gefällten Alleebäume zu, so sie denn zu solchen Gefühlen in der Lage gewesen wären.

Die Kosten, die das Projekt im Vorfeld durch Planung und Vorbereitung verschlungen hat, wird wohl niemand genau beziffern (wollen). Wo sind Mario Barth und Ilka Bessin, wenn man sie mal braucht?