Vielleicht hilft das Vertrauen auf die Eigenverantwortung und das Sicherheitsbewusstsein ja doch

Egal ob im Supermarkt, beim Bäcker, in der Drogerie oder im Kleidungsgeschäft – überall treffe ich noch Menschen an, die eifrig ihren Mund-Nasen-Schutz tragen. Kundinnen und Kunden, die auf die Maske verzichten sind hingegen eine Seltenheit. Dabei ist die Maskenpflicht seit einer Woche ade. Dass das Sicherheitsbewusstsein aber so hoch ist, erfreut mich und beruhigt mich beim Gang durch die Supermarktregale.

Masken nur noch selten ein Muss

Seit vergangenem Sonntag gilt mit der aktuellen Corona-Schutzverordnung die Maskenpflicht nur noch im Öffentlichen Nahverkehr wie Bus und Bahn und im Flugzeug. Ebenso müssen weiter dort Masken getragen werden, wo besonders gefährdete Menschen anzutreffen sind, also in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Arztpraxen, aber auch Einrichtungen für Geflüchtete.

Werbung für abgeschaffte Maskenpflicht animiert nur wenige Menschen

Der Bäcker meines Vertrauens wirbt vor seiner Filiale mit einem Schild, auf dem er ausdrücklich darauf hinweist, dass die Masken nicht mehr nötig sind. Ein Blick auf die Menschen, die am Sonntagmorgen in der Schlange stehen und auf ihre Brötchen warten, ist aber kein einziger, der auf den Schutz verzichtet. Vielleicht liegt es daran, dass die Masken in zwei Jahren der Pflicht mittlerweile einfach dazugehören. Statt mürrisch zu meckern, wird sie inzwischen wie selbstverständlich aufgesetzt, wenn man den Laden betritt.

Beim Bäcker meines Vertrauens wird sogar mit der abgeschafften Maskenpflicht geworben. Doch bei den Kundinnen und Kunden steht der Mund-Nasen-Schutz noch hoch im Kurs. Foto: Sophie Schober

Vielleicht ist es aber auch die Vorsicht der Menschen im Umgang mit dem Corona-Virus. Denn trotz gelockerter Maßnahmen, Verkürzung der Quarantäne und kurzfristiger Abschaffung und Ersatz durch Freiwilligkeit, ist es ein gutes Zeichen, dass die Pandemie in Form der Masken noch immer sichtbar ist. Denn bei all der krampfhaften Beschwörung der Freiheit wird vergessen, dass die Inzidenzen und Fallzahlen vielerorts noch enorm hoch sind. Inzidenzen jenseits der 1000-er Marke sind keine Seltenheit. Und auch wenn dank der Omikron-Variante die allermeisten Verläufe der Infektionen mild sind, landen immer noch viele Menschen im Krankenhaus, mehr als 200 sind es in Dortmund aktuell. Und noch immer sterben Menschen an oder mit einer Corona-Infektion.

Statt Pflicht gibt es Appell an Eigenverantwortung

Die Politik übernimmt nun nicht mehr die Entscheidung, wie die Menschen sich selbst und gegenseitig schützen. Vielmehr geht es um Eigenverantwortung – in den vergangenen Wochen ist das schon zum geflügelten Wort geworden. Und das scheint zu wirken. Auch die Dortmunder Sozialdezernentin Birgit Zoerner äußerte sich vor einiger Zeit zur Abschaffung der Maskenpflicht, indem sie darauf hinwies, niemand werde gezwungen keine Maske zu tragen. Blickt man in die Gänge der Supermärkte scheinen ihr doch einige Menschen zugehört zu haben.

Ganz verschwunden ist die Maskenpflicht in Dortmund dennoch nicht

Will man aber ein kommunales Museum in der Ruhrgebietsstadt besuchen, oder Dienstleistungen in den Bürgerdiensten in Anspruch nehmen, bleibt die Maske weiter Pflicht – zum Schutz der Mitarbeitenden und der Aufrechterhaltung des Betriebs. Denn der Ausfall von Beschäftigten stellt derzeit etliche Betriebe vor eine Herausforderung, allen voran die Kliniken. Denn dort sei schon seit einigen Wochen nicht mehr an einen uneingeschränkten Betrieb zu denken, da reihenweise Pflegekräfte wegen der Corona-Quarantäne ausfallen.

Hoffen, dass alles gut geht

Ob es eine kluge Entscheidung war, die Maskenpflicht abzuschaffen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn eventuell die Infektionszahlen wieder in die Höhe schießen. Ähnlich wie in Österreich, wo die Abschaffung der Maskenpflicht in Innenräumen nur zwei Wochen hielt. Noch dauert es ein wenig, bis die Entscheidung eingeordnet werden kann. Bis dahin hoffe ich, dass uns ein Rückwärtsgang erspart bleibt, die Infektionskurve nach unten geht und wir alle entspannt in den Sommer gehen können.