Beschäftigte der Feuerwehr, der Polizei und des Ordnungsamtes sind immer mehr mit Anfeindungen und Respektlosigkeit konfrontiert. Eine private Initiative will das nun ändern – mit charaktervollen Porträts und eindrucksvollen, persönlichen Geschichten.

Beamte der Feuerwehr, der Polizei und des Ordnungsamtes sind unerlässlich für die Gesellschaft. Doch den nötigen Respekt bekommen sie nicht immer. Verbale und auch körperliche Konfrontationen gegenüber den Einsatzkräften seien leider keine Seltenheit, wie Dortmund Oberbürgermeister Thomas Westphal erzählt. Er eröffnete gemeinsam mit Polizeipräsident Gregor Lange die Ausstellung “Der Mensch dahinter” in der Berswortdhalle. Auf die Beine gestellt wurde die Schau, die Einsatzkräfte auf ganz besondere und nahbare Weise vorstellt, von der privaten Initiative für Respekt und Toleranz. Die Idee dafür hatte Andrea Wommelsdorf. Ein Polizeieinsatz im Juni 2020 brachte sie auf die Idee für die Initiative. Damals hatte die Polizei in Stuttgart eine Demo aufgelöst und es kam zu großen Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizeibeamten im Einsatz. Ein Schlüsselerlebnis für die Initiatorin, die damit schnell ihre Freunde Burkard Knöpker, Charlotte Beck und Dirk Reinhardt begeistern und ins Boot holen konnte.

Wie der Polizeipräsident die Wanderausstellung nach Dortmund holte

Zuerst wurde die Wanderausstellung in Münster gezeigt. Dort wurde Polizeipräsident Gregor Lange auf das Projekt aufmerksam und wusste gleich, dass auch Dortmund eine Station der Ausstellung werden soll. Denn besonders beeindruckt hat ihm am Projekt das übergreifende gesellschaftliche Bild, das diese Schau von den Ordnungskräften zeichnet, wie er bei der Eröffnung der Ausstellung am Freitag erklärt. Damit erhofft er sich, dass die Respektlosigkeiten und Unverschämtheiten gegenüber den Menschen in Uniform weniger werden. „Ich bin begeistert, dass dieses Projekt mitten aus der Bürgerschaft heraus entstanden ist. Immer wieder haben Kolleginnen und Kollegen im Einsatzalltag mit heftigen Widerstandshandlungen zu tun. Es kommt nicht selten vor, dass Einsatzkräfte der Polizei auf das Übelste beleidigt, angespuckt oder körperlich angegangen werden“, sagt Gregor Lange

Die Ausstellung stellt Menschen vor, die ihre Arbeit in Uniform und im Dienst der Gemeinschaft verrichten. Neben den persönlichen Texten, die einen ungeschönten Blick in den Alltag und die Erlebnisse der Einsatzkräfte geben, wurden die Protagonisten auch in eindrucksvollen Fotos in Szene gesetzt. “Ich bin sehr dankbar, dass wir mit so viele Menschen Interviews führen konnten, die so persönlich und emotional waren. Denn wir kennen immer nur einen Teil der Geschichte oder eines Einsatzes, brauchen aber die ganze Wahrheit, um uns ein Bild von den Umständen und den Menschen zu machen. Auch das wollen wir mit unserer Ausstellung ausrichten”, sagt Andrea Wommelsdorf im Gespräch mit Lokalpresse24. Zum Gespräch getroffen haben die Macher der Schau die verschiedenen Einsatzkräfte – aus verschiedenen Städten, mit verschiedenen Aufgaben und verschiedenen Erfahrungen.

Passend zur Ausstellung gibt es die Bilder und Texte auch in einem Begleitbuch. Foto: Sophie Schober

Vier Protagonisten aus Dortmund in der Schau vertreten

Auch aus der Ruhrgebietsstadt sind vier Einsatzkräfte vertreten – Anja Kranitz vom Ordnungsamt, Maria Frenking vom Kommunalen Ordnungsdienst, Feuerwehrmann Andreas Helmecke und Polizistin Natascha Hanke. Sie war lange in der Polizeidirektion in der Nordstadt im Einsatz – zuerst ein Kulturschock, wie sie erzählt. Auch sie kennt Anfeindungen: „Als Einsatzkräfte, egal ob Feuerwehr, Stadt oder Polizei, sind wir nicht nur bloße Uniformträger, die als Prellbock für persönliche Frustrationsbewältigung tätig sind. In jeder Uniform steckt ein Mensch, der sich entschieden hat, einen Teil der individuellen Interessen und Bedürfnisse für gesellschaftlich wichtige Aufgaben zurück zu stellen.“ „Ich bin Feuerwehrmann geworden, um anderen zu helfen. Das ist eigentlich das Ziel der Feuerwehr. In genau dem Moment angegriffen zu werden, in dem man seinen Mitmenschen zur Seite steht, ist eine bittere Erfahrung, die einen fassungslos und wütend macht. Und es macht ein ungutes Gefühl im Bauch, wenn es zum nächsten Einsatz geht. Ich bin ein Mensch und nicht die bezahlte Einsatzkraft, die alles auszuhalten hat,“ bringt Feuerwehrmann Andreas Helmecke das auf den Punkt, was viele seiner Kolleginnen und Kollegen umtreibt.

Polizistin Natascha Hanke war lange in der Nordstadt im Einsatz und hat gesehen, wie sich das Viertel entwickelt. Sie gehört zu den vier Protagonisten, die die ihre Erlebnisse als Einsatz- und Ordnungskräfte in Dortmund erzählen. Foto: Sophie Schober

Nächste Station der Schau steht schon fest

Bis 27. Mai wird die Ausstellung in der Dortmunder Berswordthalle zu sehen sein. Dann zieht die Schau weiter nach Paderborn. Mit jedem Umzug sollen auch neue Gesichter und Geschichten hinzukommen, wünschen sich Andrea Wommelsdorf und Burkard Knöpker, der die Texte für die Schau geschrieben hat. “Wir wollen natürlich auch gern nach Berlin und nach Dresden, denn die Geschichten in den Städten im Osten Deutschlands sind ganz andere, weil die Städte und Menschen ganz anders sind”, erklärt Andrea Wommelsdorf. Die ersten Kontakte für dieses Vorhaben seien bereits geknüpft, erklärt die Initiatorin.

www.der-mensch-dahinter.de